Lebendige Friedhofskultur in Geschichte und Gegenwart

Als der Ev. Friedhof Ummeln  im letzten Jahr 120  wurde, entstand in der Heimatkundegruppe der Senioreninitiative „Gemeinsam statt Einsam“ der Plan,  die Geschichte des Friedhofs aufzuschreiben. Eine zusammenhängende Darstellung hatte es bisher noch nicht gegeben.  Helmut Barteldrees und Helmut Bobe, beide alte „Ummler“ und Gruppenmitglieder von Anfang an, übernahmen die Aufgabe und haben nun nach einem Jahr ihr Ergebnis veröffentlicht: Auf 60 Seiten sind aktuelle und historische Bilder gesammelt, Lageskizzen und –pläne aus den verschiedenen Entstehungsphasen abgebildet und historische Friedhofsordnungen dokumentiert.

Der begleitende Text gibt mit vielen Details und Anekdoten einen spannenden Einblick in die dörfliche Bestattungskultur der Vergangenheit.  Dazu gehört etwa der von Pferden gezogene Leichenwagen mit dem langen Leichenzug vom Trauerhaus hin zum Friedhof.  Bis zur Gründung des eigenen Friedhofes mussten die Ummelner für jede Beerdigung nach Brackwede laufen. Der eigene Friedhof  wurde 1891 sozusagen die Keimzelle der vier Jahre später von Brackwede unabhängigen selbständigen Kirchengemeinde mit der 1897 eingeweihten Kirche, die neben dem Friedhof steht.  66 Mark kostete im Einweihungsjahr das große steinerne Friedhofskreuz  mit der immer noch gut lesbaren Inschrift „ Ich lebe und ihr sollt auch leben“. Die Bauern hatten als Sockel einen Hügel aus Findlingen errichtet.  „Gottesacker“ wurde der Friedhof in den ersten gedruckten Ordnungen genannt.  Die Bauern kauften ihre  großen Erbbegräbnisse vorsorglich schon zu Lebzeiten. Mehr als zehn Grabstellen aber durften an eine Familie nicht abgegeben werden.

Das Büchlein zeigt auf, wie sich die Friedhofskultur auch in einer ländlichen Gemeinde allmählich verändert.  Dem Trend zur anonymen Bestattung hat die Kirchengemeinde Rasenreihengräberfelder mit persönlichen Grabplatten entgegengesetzt.  In der mit blauem Glas geschmackvoll gestalteten Friedhofskapelle von 1974 wurde in jüngerer Zeit noch ein schöner Raum für das Abschied Nehmen vor der Beerdigung eingerichtet. In der Friedhofs- und Beerdigungskultur  wird viel von der Lebenseinstellung einer Zeit deutlich.  Für die Autoren ist ihr Ummelner Friedhof ein Ort der lebendigen Erinnerung und Begegnung, den zu besuchen und zu entdecken sich lohnt.

„Der Friedhof der Evangelischen Kirchengemeinde Ummeln – Geschichte und Gegenwart“ ist im Gemeindebüro für 8 Euro erhältlich.

Annette Kleine